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Chinesisch

Genaugenommen handelt es sich bei Chinesisch nicht um eine einzelne Sprache, sondern um eine ganze Familie, die in ihrer Vielfalt ähnlich den europäischen ist. Im Gegensatz zu Europa jedoch bildet China eine Nation, weswegen diese Sprachen dort als Dialekte bezeichnet werden, um den Zusammenhalt der Volksgruppen zu unterstreichen. Tatsächlich sind das Hochchinesisch (Putonghua, Mandarin oder Peking-Dialekt) und Kantonesisch (Der Dialekt von der Provinz Guangdong und Hongkong) in ihrer Verwandschaft etwa vergleichbar mit Englisch und Deutsch.

Zwei Elemente des Chinesischen sind es, die Studierenden besonderes Kopfzerbrechen machen: Die Schrift und die Aussprache. Jedermann weiß, daß die Chinesische Schrift auf unzähligen Zeichen besteht - Geschätzt gibt es weit über 50.000 davon. Allerdings kennt die auch kein Chinese alle auswendig, wie kaum ein Deutscher jedes Wort im Duden aufsagen kann. Um als ausreichend belesen zu gelten, reichen schon etwa 3000 davon aus, und man kann in der Regel die Zeitung lesen. Das klingt immer noch nach viel und ist auch etwas, das seine Zeit braucht, zu lernen, aber nichtsdestotrotz möglich ist - sind hätte sich diese Art, zu schreiben sicher nicht über die letzten zwei Jahrtausende gehalten.

Das besondere Merkmal der Hanzi, so der Name für diese Symbole, ist, daß jedes davon für genau eine Silbe steht. In der Regel entspricht das auch genau einem Wort oder besser Konzept, Worte können auch aus zwei bis drei Silben bestehen.Dabei werden diese Silben im Satz nie verändert, de Worte werden nicht gebeugt, wie in unseren Sprachen. Daraus folgt: Chinesich hat die einfachste Grammatik der Welt. Genug Zeit beim Lernen also, sich voll und ganz auf die Schrift zu konzentrieren. Eine weitere Besonderheit der Hanzi ist, daß sie inzwischen überall in China in der gleichen Weise verwendet werden - selbst wenn sie in eiinem anderen Dialekt völlig anders ausgesprochen werden. Anders als in Europa, wo das Erlernen der Lateinischen Schrift noch lange nicht dazu führt, daß man zum Beispiel Deutsch und Englisch sofort lesen und verstehen kann, ist es in China möglich, Zusammenhänge alleine durch die Schrift über Sprachbarrieren hinwegzutragen. Zwar wurde immer wieder über eine Ablösung der chinesischen durch eine lateinische Schreibweise, des Pinyin nachgedacht, doch aus genau diesen Gründen wurde davon abgesehen und stattdessen die chinesischen Zeichen im ganzen Land vereinheitlicht und vereinfacht.

Zudem gibt es in der Chinesischen Aussprache gerade mal knapp über vierhundert verschiedene Silben. Auch wenn man jede davon in den verschiedenen Tönen, die es im Chinesischen gibt, ausspricht, reicht die Menge nicht aus, um alle Schriftzeichen abzudecken - es gibt viele Homonyme, gleichlautende Wörter. Diese könnten ohne die Hanzi nicht mehr voneinander unterschieden werden, und somit wären Texte kaum noch lesbar. Ein Grund, diese Schrift weiter beizubehalten, da sie auch ein wichtiges Kulturgut der Chinesen darstellt. Und ein Grund, sie zu lernen, denn so kompliziert manche dieser Zeichen aussehen, sie können auch als Gedächtnisstütze für das Vokabular dienen, da ähnlich aussehende Zeichen manchmal auch ähnlich ausgesprochen werden.

Es bleibt noch die Frage, wie man diese Sprache denn jemals sprechen lernen können soll, wenn sie doch so völlig verschieden , weil ja tonal ist. Doch auch hier sind die Probleme stark übertrieben - denn Tonalität bedeutet keineswegs, daß man eine bestimmt Note halten muß, um die korrekte Bedeutung zu erhalten. tatsächlich ist die Veränderung des Tones in einer Silbe entscheidend - und davon gibt es im Hochchinesischen gerade mal vier.Und außerdem ist diese Tonalität nicht einmal eine ausschließlich chinesische Eigenschaft. Es gibt sie tatsächlich auch - im Deutschen. EIn kleiner Beispieldialog soll das verdeutlichen. Wir hören einmal zwei Freunden zu, die sich unterhalten:

A: Schau mal, dort, ein Zeppelin. (Flugzeug, Vogel, Superman ...)
B: Wo denn?
A (zeigend): Da.
B (fragend): Da?
A (ungeduldig): Daa...
B (findend): Ah. Da!

Die vier 'Da's in diesem Gespräch klingen alle unterschiedlich. Deutlich wird das im Text nur an den Satzzeichen am Ende, wo die Tonalität liegt. Es gibt einen sagenden (gleichbleibenden), einen fragenden (steigenden), einen 'ungeduldigen' (fallend und wieder steigenden) und einen ausrufenden (fallenden) Tonfall. Diese vier Töne sind die gleichen, wie im Chinesischen, nur daß sie dort auf jeder Silbe verwendet werden - nicht nur am Satzende. Die Reihenfolge im Dialog entspricht übrigens genau der Nummerierung dieser Töne, die im Pinyin durch Akzente dargestellt werden, ist also eine gute Eselsbrücke:

1. Ton: , 2. Ton: , 3. Ton: , 4. Ton:

Im Kantonesischen gibt es der Töne sogar sechs, was daran liegt, daß hier auch so etwas wie ein Tonakzent vorliegt. Das bedeutet aber nur, daß der gleichbleibende Ton in einer hohen, einer mittleren und einer tiefen Tonlage verhältnismäßig zur Stimmlage des Sprechers ausgedrückt wird. Alternativ zu Akzenten werden hier häufiger hochgestellte Ziffern verwendet, um die Ton zu markieren:

1. Ton: da1 , 2. Ton: da2 , 3. Ton: da3 , 4. Ton: da4 , 5. Ton: da5 , 6. Ton: da6

Auch wenn die chinesischen Sprachen immer noch eng miteinander verwandt sind, läßt sich mit ein bißchen Übung bereits ein Unterschied heraushören, wenn man darauf achtet. So tritt zum Beispiel der fallend-steigende Ton (Nr. 5) im Kantonesischen scheinbar nicht ganz so häufig auf wie im Hochchinesischen (Nr. 3), so daß letzteres etwas 'melodischer' klingt als ersteres. Man kann sich auf einem Kurztrip nach Hongkong selbst einmal davon überzeugen, auf den Bahnsteigen erfolgen alle Durchsagen in drei Sprachen, nämlich Hochchinesisch, Kantonesisch und Englisch ...

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