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Die deutsche Sprache

In einem Artikel über Fremdsprachen zuerst auf die Muttersprache einzugehen, mag etwas seltsam wirken. Tatsächlich sollten wir uns aber immer darüber klar sein, daß auch unsere eigene Sprache für viele eine Fremdsprache darstellt - und gar nicht so einfach zu lernen ist. Je besser man seine eingene Sprache jedoch beherrscht, desto leichter fällt es auch, andere Sprachen (egal welche) zu lernen, und umgekehrt lernt man auch viel über die eigene, wenn man versteht, wie andere Völker sich ausdrücken.

Aus diesem Anlaß wollen wir uns einmal ein paar Besonderheiten des Deutschen genauer ansehen, die für uns ganz natürlich scheinen, für Fremdsprachler aber deutliche Stolperfallen beim Verwenden der Sprache darstellen.

Die Artikel

Die markanteste Eigenart der Deutschen Grammatik sind wohl die berühmt-berüchtigten Artikel. Genaugenommen geht es dabei um das sogenannte grammatikalische Geschlecht, also die Tatsache, daß ein Wort selbst männlich oder weiblich sein kann. Natürlich gibt es so etwas auch im Französischen, Italienischen oder Spanischem, allerdings haben wir im deutschen nicht wie diese zwei, sondern gleich drei davon - maskulin, feminin und neutrum.

Der - die - das, er - sie - es, ein - eine - eines ... wenn man von Kind auf mit den Artikeln groß geworden ist, vergißt man schnell, wie unlogisch sie teilweise sind. Schließlich heißt es Der Junge, aber Das Mädchen ... was wohl Rückschlüsse auf die Entwicklung der Sprache in alten Zeiten zuläßt.

Einem Studenten der deutschen Sprache bleibt somit nur übrig, die Artikel mit dem Wort zusammen zu lernen. Und dann kommen noch die Wortbeugungen hinzu, die im deutschen auch komplexer sind als anderswo.

Gibt es eigentlich eine Sprache in Europa, die kein grammatikalisches Geschlecht besitzt? Ja, und zwar: Englisch. Hier gibt es nur the, a und it, und nur bei Lebewesen greift das natürliche Geschlecht he oder she.

Interessant in dem zusammenhang ist jedoch, daß der Deutsche es regelmäßig schafft, auch Artikel für Lehnworte zu finden, indem er einfach den Artikel des übersetzten Wortes verwendet - Der Computer (Rechner), Das Katana (Schwert), Das Portemonnaie (Geldbrieftäschchen). Das funktioniert auf bei Markennamen, so heißt es z.B. Der BMW bei einem Auto (Der Wagen) aber Die BMW beim Motorrad (Die Maschine). Zugegeben, manchmal muß man bei der Wortfindung etwas tricksen ...

Starke Wortbeugung

Noch so eine typisch deutsche Sprachfalle ist die Pluralbildung. Hat man es im Englischen ganz einfach und setzt einfach ein -s and das Wortende, muß man im Deutschen wählen zwischen Endungen auf -(e)s, -(e)n oder -(e)r. Und das ist noch nicht alles. Manche Pluralformen verändern auch noch die Aussprache des Wortstammes oder sind aus der Sprache abgeleitet, aus der das Wort stammt - genug Fälle für Ausnahmen also.

Beispiele:

Vor- und Nachsilben

Und ein weiteres Schmankerl: Ist euch schon einmal aufgefallen, daß wir nicht nur Worte zu sogenannten Wortungetümen zusammensetzen können, sondern auch die Bedeutung von Verben durch lediglich eine Vorsible verändern können?

Nehmen wir einmal das Verb 'tragen'. Alleine das hat schon mehrere Bedeutungen, man kann z.B. ein Paket tragen, Kleidung tragen oder die Verantwortung ... aber sehen wir mal, was es noch für Worte mit 'tragen' in der deutschen Sprache gibt:

Man sieht, die Worte in der Liste haben oft nicht mehr viel miteinander gemein, obwohl sie auf demselben Stamm basieren ...

Das Alphabet

Wieviele Zeichen verwendet man eigentlich in der deutschen Sprache? Wenn die Antwort jetzt lautet: 26, dann lest den letzten Satz bitte nochmal.

Wenn es jetzt heißt "Natürlich, im deutschen verwenden wir ja auch noch die Umlaute Ä, Ö, Ü und ß", dann seid ihr leider immer noch nicht im richtigen Bereich ... Gefragt wurde nämlich nicht nach der Anzahl der Buchstaben, sondern nach der Anzahl der Zeichen. Und deren Anzahl verdoppelt sich allein dadurch, daß wir zwischen Groß- und Kleinschreibung unterscheiden. Außerdem befinden sich in einem durchschnittlichen Text auch noch Satzzeichen und Ziffern, die auch ihre eigenen Bedeutungen haben, die tatsächliche Menge an Symbolen, die man lernen muß, um Lesen zu können ist also deutlich höher als im ersten Moment gedacht. Es hat schon seinen Grund, daß der ASCII-Zeichensatz, der das Schreiben auf Computern zuerst ermöglichte, aus 128 Codes besteht ...

Nun läßt sich natürlich einwenden, daß das immer noch besser ist als die tausenden Schriftzeichen, die andere Sprachen verwenden. Immerhin haben wir nur zwei Zeichen pro Laut zu lernen (wir haben ja eben die Groß-/Kleinschreibung erwähnt ...) und können damit sogar andere Texte in Lateinischer Schrift lesen, wenn wir die Worte auch nicht alle verstehen. Auch im Russischen oder Griechischen gilt dieses Konzept, demnach ein gutes Argument für die Alphabetschrift, oder?

Leider übersieht man beim alltäglichen Gebrauch der Zeichen, daß Alphabete auch deutliche Nachteile haben. In Wirklichkeit besteht kaum eine Sprache aus genau 26 Lauten, sondern deutlich mehr. Deutsch hat etwa 40 Phoneme, das sind die tatsächlichen unterscheidbaren Laute, die in einer Sprache vorkommen. Englisch hat sogar noch mehr, wobei einige der deutschen Phoneme dort nicht auftauchen.

Alleine dadurch wird schon klar, daß einige Buchstaben mit Lauten doppelt belegt sind (c/k, c/z, v/f, v/w), oder Laute durch Buchstabenkombinationen ausgedrückt werden (ts, ch, sch, ph), die somit eine von den Einzelbuchstaben verschiedene Bedeutung erhalten.

Auch bei den Vokalen treten diese Mehrfachbedeutungen auf, da fünf Vokalzeichen einfach nicht genügen, die fünfzehn Vokallaute auszudrücken. (Beste Beispiele: Weg - weg, bot - Bot. Nur die Groß/Kleinschreibung gibt den Hinweis, wie der Vokal klingen muß ...) Ein Grund dafür, warum es im Deutschen Rechtschreibung gibt.

Und mancher Buchstabe wird im Wort gar nicht gesprochen, wie z.B. das abschließende 'r' in den Monatsnamen von September bis Dezember - diese klingen eigentlich eher wie Septembah und Dezembah, wobei auch das 'h' selten zu höhren ist. Jeder, der einmal Französisch gehört und gelesen hat, weiß, daß diese Sprache es geradezu meistert, eine Großteil der Schrift beim Sprechen auszulassen ...

Bevor wir uns also darüber mokieren, daß eine andere Schrift so wahnsinnig komplex ist (oder gleich die Flinte ins Korn werfen, statt sie zu lernen), sollten wir lieber die Vorteile sehen und nutzen, nämlich, daß jedes Silbenzeichen genau eine Art und Weise hat, wie es ausgesprochen wird, wie z.B. die Hanzi im Chinesischen, die Koreanischen Hangeul und im japanischen die Hira- und Katakana. Hier gibt es nur sehr wenige Ausnahmen, die alle leichter zu lernen sind als die ganzen, nicht gerade logischen Ausspracheregeln für englische Wörter.

Sprachen in Asien

Gehen wir nun einen Schritt weiter und reden über Sprachen in Ostasien, die ja den Ruf haben, so besonders schwierig und ganz anders zu sein, als die unseren.

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