www.CauNo.de

Seite 2 von [ 1 2 3 ]

Genres im Anime

Anime ist kein Genre an sich, sondern eine Ausdrucksform des Films. Somit sind sämtliche Geschichten möglich, die auch der Realfilm darstellt, der Unterschied liegt allein in den Zeichnungen der Charaktere und der Umgebung. Dabei hat der Trickfilm natürlich den Vorteil, daß gezeichnet vieles dargestellt werden kann, was im normalen Film nur sehr schwierig oder mit aufwändiger Tricktechnik möglichwäre. Dabei bleibt trotzdem alles in einem Design und die Spezialeffekte stechen nicht so stark heraus. Dadurch aber ist der Anime aber auch besonders geeignet für bestimmte Storyelemente, aus denen sich inzwischen eigene Genres entwickelt haben. Ein paar der Klassiker und ihre Varianten sollen hier etwas näher beleuchtet werden ...

Mecha

Wer kennt sie nicht, die metallenen Kampfriesen, die, von einem Piloten gesteuert, gegeneinander antreten und in Weltraumschlachten kämpfen? Ursprünglich bezeichnet mekka auf japanisch das mechanical design, also das technische Detail der Zeichnungen. Inzwischen wird der Begriff aber auch synonym für die Riesenroboter verwendet und bildet den Oberbegriff für diese Art Shows, die u.a. auch Grundlage für die Transformers sind.

Ursprung dieser Serien ist die Serie Macross, die zusammen mit zwei weiteren Animeserien in Amerika als Robotech veröffentlicht wurde, gefolgt von Voltron und der auch schon früh in Deutschland ausgestrahlten Saber Rider-Serie. Ebenfalls sehr erfolgreich sind die Serien des Gundam-Universums, das inzwischen ähnlich komplex geworden ist wie die von Star Trek oder Star Wars, und immer wieder mit neuen Handlungssträngen fortgesetzt wird.

Aber auch wenn viele Jungs vielleicht davon träumen, einmal Mechapilot zu werden, so lassen diese Serien selten Zweifel daran, daß diese Riesenmaschinen in der Regel zu einem bestimmten Zweck gebaut wurde: Nämlich dem, Krieg zu führen. Und das wird auch mal mehr oder weniger drastisch demonstriert, wie z.B. in Eureka 7. Trotzdem liegt der Hauptaugenmerk dieser Stories weniger auf den Kämpfen, die natürlich fester Teil der Handlung sind, als auf den Charakteren, von denen es meist eine ganze Reihe gibt. So erfährt man viel über die Figuren, manchmal steckt dahinter auch eine tragische Geschichte, die manchmal mehr Aufschluß über die Welt gibt, als einem lieb ist.

Manchmal dringt diese Tragik in die Tiefen der Seele vor, wie zum Beispiel in der Kultserie Neon Genesis Evangelion, die dem Genre neue Akzente setzte. Hier sind die Mechas regelrechte Monstrositäten, die zudem noch ein dunkles Geheimnis bewahren.

Magical Girls - Mahō Shōjō

Für die weibliche Zielgruppe der jungen Zuschauer in Japan hat sich diese Art der Geschichten herausgebildet: Mädchen, die mit magischen Kräften gegen böse Geister und Dämonen kämpfen. Diese Heldinnen sind in der Regel Schülerinnen zwischen 12 und 15 Jahren, es gibt aber auch jüngere, für alle Altersgruppen in der Schule ist etwas dabei. Das Spektrum geht dabei von Einzelkämpferinnen wie Cardcaptor Sakura zu ganzen Teams wie die in Sailor Moon, Wedding Peach oder Pretty Cure. Gemeinsam ist diesen Serien, daß die Hauptfiguren sich mindestens einmal pro Folge mit Hilfe von typischen Modeaccessoirs, wie Amuletten, Ringen oder auch Handys in Kämpferinnen verwandeln können und dann gegen bedrohliche Gestalten angehen, die meistens ausgesandt wurden, um ihnen das Leben schwer zu machen (oder schlimmeres). Dabei eilt ihnen in der Regel auch mal ein magischer Junge zur Hilfe, der dann von der Hauptfigur angehimmelt wird, obwohl sich die beiden im täglichen Leben nur zanken. (Daß die beiden sich nicht wiedererkennen, liegt wohl an einer magischen Aura. Die einzige Möglichkeit, eine Mahō Shōjō zu erkennen, ist nämlich die, sie während der Verwandlung zu beobachten.)

Man(n) mag auf diese mit reichlich Zuckerguß ausgestatteten Serien etwas herabblicken, allerdings spricht alleine ihre Beliebtheit in Japan dafür, sie sich doch einmal etwas näher zu betrachten. Dann entdeckt man auch hier das eine oder andere Element, das man zuerst als etwas 'typisch Japanisch' wahrnimmt, daß einem bei näherem Hinsehen doch auch wieder etwas über die Kultur vermitteln kann. So sind die Mädchen oft wiedergeborene Kämpferinnen und tragen ihre Aufgabe aus einem früheren Leben in die Alltwagswelt. Ihre Kräfte müssen nach und nach erwachen, was für die Figuren meinstens ein Problem darstellt. Nicht alle mögen sich so plötzlich in die Pflichten fügen, die damit auf sie zukommen, und damit stellen diese Geschichten immer auch eine Parabel auf das Erwachsen werden dar. Wem diese Art der Geschichte irgendwie bekannt vorkommt, der könnte vielleicht auch eine Fernsehserie gesehen haben, die thematisch sehr nahe kommt - und zwar Buffy, the Vampire Slayer. Deren Hauptfigur entspricht genau diesem Schema, ist also ein 'American Magical Girl'.

Natürlich gibt es auch Abwandlungen dieses Genres mit Geschichten, die nicht weniger interessant sind, wie z.B. Earth Girl Arjuna, deren Hauptfigur, um die Erde und ihre Umwelt beschützen zu können, viele Zusammenhänge erkennen lernen muß, sowie Aquarian Age, eine Serie in der fast jedes Mädchen magisch ist und einer von fünf Fraktionen angehört, die gegeneinander Krieg führen.

Highschool Romance

Der nächste große Themenbereich, den man im Anime feststellen kann, ist, daß die meisten Serien an Schulen zu spielen scheinen. Speziell die Oberschule, das sind die letzten drei der insgesamt zwölf Jahre, die man in Japan an der Schule verbringt, sind oft Schauplatz der mal komisch absurden, mal auch besinnlichen Geschichten.

Am beliebtesten ist wohl immer wieder die Geschichte von Junge und Mädchen, die ständig miteinander im Clinch liegen, aber mit der Zeit dann doch feststellen müssen, daß sie eigentlich füreinander geschaffen sind. Aber auch solche Stories, bei denen das Schulleben durch die irrwitzigsten Situationen auf den Kopf gestellt wird, sind dabei. Von Kare Kano - Mein Geheimnis, dein Geheimnis über Azumanga Daioh bis zu School Rumble oder auch Onegai Teacher gibt es genügend Beispiele für diese Art von Serien. Sozusagen Mischgenres stellen dann Serien wie Full Metal Panic dar, in denen dann auch wieder Kampfmaschinen auftreten, die also auch Mechas sind.

Wer jetzt aber denkt, daß auch diese Serien ausschließlich junges Publikum finden, irrt. Gerade bei jungen (und auch älteren) Erwachsenen, die bereits im Berufsleben stehen sind solche Serien beliebt. Sind doch die drei Abschlußjahre an der Schule (wie auch die Vorbereitung auf das Abitur in Deutschland) die Zeit, in der man sich auf das Studium oder die Berufswelt vorbereitet, und von der Kindheit endgültig Abschied nehmen muß. Somit erlauben diese Serien jenen, sich an ihre eigene Schulzeit zu erinnern, oder eine, die sie gerne erlebt hätten. Manchmal ist auch die Schulzeit nicht immer die schönste Zeit gewesen, weil es auch dort immer wieder zu Fällen von Mobbing kommt - oder auf japanisch Ijime. Ein Umstand, der sich ebenfalls in der einen oder anderen Situation in solch einer Serie wiederfinden kann ...

und dann gibt es noch ...

Die vielen Genres wie Cyberpunk, Samurai oder Horror sind, obwohl nicht rein dem Anime zuzurechnen, auch immer wieder vertreten. Dabei lohnt es sich immer wieder mal, in solche Serien oder Filme hinein zu schauen, da sie häufig mit anderen Elementen vermischt werden und somit wieder etwas neues entsteht. Auch wenn einem die Story anfangs bekannt vorkommen mag, sind doch immer wieder Überraschungen dabei, in denen man etwas neues geboten bekommt. Und oft auch etwas anderes, als ursprünglich erwartet.

Blättern: << >>



© 2011 by Cau No - Garantiert JavaScript freie Zone. Optimiert für den Webnutzer statt für den Browser.