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Anime in Deutschland

In den letzten zwanzig Jahren hat sich Anime, oder der japanische Zeichentrickfilm zu einem weltweiten Phänomen entwickelt. Spätestens mit Filmen wie Akira (1989) und Ghost in the Shell (1995) wurde dieser Filmstil in Amerika und Europa populär und auch in Deutschland bekannt.

Dabei waren im Fernsehen hierzulande bereits lange vorher Anime zu sehen, und sehr beliebt - wenn auch nicht unter diesem Begriff. Die wenigsten wissen noch heute, daß es sich schon bei den folgenden vom ZDF ausgestrahlten Serien um japanische Produktionen handelte:

Und noch viele mehr, die meistens auf Vorlagen international berühmter Kinder- und Jugendbücher basiere, wie: Pinocchio, Sindbad, Alice im Wunderland, Anne mit den Roten Haaren, Marco, etc ... In der Regel wurden bei allen diesen Serien die Tonspuren komplett neu gemacht und neue Musik dafür geschrieben, die mit dem japanischen Original nur noch wenig gemein hatte.

Eine Serie führte genau dieser Umstand zu dem Kultstatus, den sie heute hat: Captain Future. Da diese eigentlich auf den Science-Fiction-Romanen von Edmond Hamilton basierte, richtete sie sich eigentlich an älteres Publikum, wurde dennoch vom ZDF für das Kinderprogramm aufbereitet, was bedeutete, daß das Material von ursprünglich 52 Folgen auf 40 Folgen zusammengekürzt und an manchen Stellen nicht ganz sinngemäß übersetzt wurde. Trotzdem gab es noch Proteste von besorgten Eltern, die ihren Kindern nicht diese 'gewalttätige Sendung' zumuten wollten ...

Auch das Privatfernsehen entdeckte schließlich die eine oder andere Anime-Serie, doch eher zufällig, wie zum Beispiel Saber Rider und die Star Sheriffs. Diese wurde bereits für US-Publikum etwas abgewandelt, weswegen die hier ausgestrahlte Version zwar nicht so stark, aber immerhin merklich von der Orignalversion abweichte. Über den amerikanischen Markt gelangten dann auch weitere Anime-Serien ins deutsche Fernsehen, diesmal mit einem deutlicheren Hinweis auf ihre tatsächliche Herkunft.

Unübersehbar wurde diese spätestens bei der Ausstrahlung von Sailor Moon (wiederum im ZDF), deren Hauptfiguren unübersehbar japanische Schulmädchen waren, die in Tokyo lebten. Es folgten Serien wie Pokémon, Dragonball, Ranma ½, und die erste echte Anime-Welle begann. Allerdings war das nur die Spitze des Eisbergs. Denn es wurde wieder nur das Kinderprogramm bedient, auch wenn manche der Serien in Japan schon älteres Zielpublikum als die der 6-10jährigen hatte. Von solchen für erwachsenes Publikum war keine Spur.

Das änderte sich, als der Sender VOX mit einem speziellen Nachtprogramm aufwartete. Hier wurden schließlich Filme und Serien, oft im Originalton nur mit Untertiteln gezeigt, die im Vorabendprogramm unmöglich aufgeführt werden konnten - Von harten Action-Krachern bis zum berüchtigten Hentai-Porno, einer speziellen Randform des erotischen Anime, war dort alles vertreten, was dem Anime nun den Ruf einbrachte, voller Sex und Gewalt zu sein. Erst nach und nach wurde dann den meisten klar, daß sich zwischen den beiden Extremen auch Zwischenstufen fanden, in denen sich anspruchsvolle Unterhaltung mit teils urkomischen, teils tragischen Szenen paarte. Dennoch war es für Fans nicht leicht, an Material zu kommen, welches immer noch teuer aus Amerika, England oder Frankreich importiert werden mußte, um wenigstens Untertitel auf den Videobändern zu finden, bis endlich auch die Musiksender MTV und VIVA Animeserien in ihr Programm mit aufnahmen, und diese auch abends ausstrahlten.

Spätestens mit den Studio-Ghibli-Filmen von Hayao Miyazaki begann dann eine neue Ära von Anime außerhalb Japans, die schließlich auch auf DVD erfolgreich wurde. Auch wenn Filmtitel wie Chihiros Reise ins Zauberland wieder mehr auf Familienpublikum zugeschnitten sind, ist doch Prinzessin Mononoke aufgrund seiner Story für deutlich reifere Zuschauer gedacht. In Japan stellte Mononoke-hime sogar einen Kassenrekord auf, der das Einspielergebnis von "Titanic" im Land übertraf - nur um von der darauffolgenden Ghibli-Produktion, Chihiros Reise, übertroffen zu werden. Seitdem strömten auch andere Produktionen von Japan auf den deutschen DVD-Markt, inzwischen sind hunderte von Titeln erhältlich, und es kommen immer neue hinzu, wenn auch der große Ansturm in den letzten Jahren etwas abgeebbt ist.

Um einen Überblick für experimentierfreudige Filmfreunde und auch Tips für versierte Fans zu bieten (die Auswahl scheint schier unerschöpflich), sollen hier demnächst ein paar Empfehlungen von mir erscheinen, mit denen man gefahrlos den Einstieg in die Welt des Anime wagen kann.

Gründe, sich damit zu beschäftigen, gibt es viele, wie beispielsweise die Möglichkeit, mehr über Japan und seine Kultur, Geschichte, Land und die Sprache zu lernen, oder Einblicke in neue Denkweisen, Philosophien und Erzählstrukturen zu bekommen. Der wichtigste sollte jedoch sein: Es macht einfach Spaß!

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